
Die meisten Menschen kommen mit einem Motiv zu mir, nicht mit einem Stil. Das ist auch völlig in Ordnung – nur entscheidet am Ende der Stil darüber, wie dein Tattoo in zehn Jahren aussieht. Dieser Text soll dir helfen, vor dem ersten Gespräch eine ungefähre Richtung zu haben.
Die vier Richtungen, nach denen am häufigsten gefragt wird
Schwarz-Weiß-Realismus
Mein Schwerpunkt. Realismus arbeitet mit Grautönen statt mit Konturen: Ein Gesicht entsteht aus Licht und Schatten, nicht aus einer Linie drumherum. Das wirkt sehr direkt, verlangt aber Platz. Unter etwa zehn Zentimetern verliert ein realistisches Porträt seine Tiefe, weil die feinen Übergänge in der Haut zusammenlaufen. Wer ein Porträt auf dem Unterarm möchte, sollte also eher mit einer Handfläche als mit einer Streichholzschachtel planen.
Blackwork
Große geschlossene Schwarzflächen, harte Kanten, oft Ornamente oder geometrische Muster. Blackwork altert von allen Stilen am gutmütigsten, weil es keine feinen Übergänge gibt, die verlaufen könnten. Dafür ist es endgültig: Über eine große schwarze Fläche bekommt man später nichts mehr drüber, außer weiteres Schwarz.
Fineline
Sehr dünne, gleichmäßige Linien, oft kleine Motive. Sieht frisch gestochen großartig aus. Ehrlich gesagt ist es der Stil, bei dem ich am häufigsten zum Nachziehen rate: Dünne Linien haben wenig Farbe in der Haut, und was wenig hat, verliert schneller. Auf Fingern, Füßen und an den Rippen halte ich Fineline nur bedingt für eine gute Idee.
Neotraditional
Kräftige Konturen, klare Farbflächen, dekorative Formen. Robust, gut lesbar, auch aus zwei Metern Entfernung noch erkennbar – das können Realismus und Fineline nicht behaupten. Wenn dir wichtig ist, dass man erkennt, was da ist, und nicht nur, dass da etwas ist, lohnt der Blick in diese Richtung.
Drei Fragen, die mehr bringen als jedes Pinterest-Board
- Wo soll es hin? Die Körperstelle entscheidet mehr als der Geschmack. Unterarm, Oberarm und Wade sind ruhige, gut heilende Flächen. Rippen, Ellenbogen, Hände und Füße sind unangenehmer, heilen unruhiger und brauchen häufiger eine Nachbesserung.
- Wie oft willst du wiederkommen? Ein großes realistisches Motiv sind zwei bis fünf Sitzungen. Wenn dein Kalender das nicht hergibt, ist ein kleineres, klar aufgebautes Motiv der ehrlichere Weg.
- Was soll man in zehn Jahren noch sehen? Diese Frage stelle ich bei jeder Beratung. Sie beantwortet fast immer auch die Frage nach der Größe.
Referenzbilder richtig sammeln
Schick mir gern eine Handvoll Bilder – aber sortiert nach dem, was dich daran interessiert. „Dieses hier wegen der Stimmung, dieses wegen der Komposition, dieses wegen der Schärfe im Fell“ hilft mir zehnmal mehr als zwanzig Bilder ohne Kommentar. Was ich nicht mache: die Arbeit einer Kollegin eins zu eins nachstechen. Das ist ihr Entwurf, und es wäre auch für dich schade – dein Tattoo darf ruhig deins sein.
Und wenn du dich nicht entscheiden kannst?
Dann ist das kein Problem, sondern der Normalfall. Bring die Idee mit, nicht den Stil. In der Beratung zeichnen wir zusammen ein paar Varianten an, und meist ist nach zehn Minuten klar, wohin es geht. Die Beratung kostet nichts und verpflichtet zu nichts – auch nicht dazu, bei mir zu stechen.